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Verden bleibt bunt!

Vor 20 Jahren am 02. April: Stadtweiter Aktionstag gegen Rechtsextremismus. Die Initiative „Kreis Verden ist bunt“ erinnert.

Der NPD-Landesverband hatte für diesen Tag einen „Aufmarsch mit Kundgebung“ bei der Stadtverwaltung angemeldet. Verhindern ließ sich dies nicht, sehr wohl aber demokratisch beantworten dachten sich die Fraktionen im damaligen Stadtrat, die Kaufmannschaft und Bürgermeister Lutz Brockmann. Dessen öffentlicher Aufruf wurde am 27. Januar 2005 veröffentlicht und richtete sich an alle Verdenerinnen und Verdener: „Lassen Sie uns die ganze Kraft der Demokratie und die Lebensfreude der demokratischen Kultur zeigen!“.
Die politische Situation damals war folgende: Auf Bundesebene war die Nationaldemokratische Partei Deutschland (NPD) mit dem sogenannten „Deutschlandpakt“ ein geschlossenes Wahlbündnis mit der Deutschen Volksunion (DVU) eingegangen. Sie war bei Kommunalwahlen durchaus erfolgreich. 2006 zogen NPD-Abgeordnete mit 7.3% in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern ein. Der inzwischen verstorbene Rechtsanwalt und Neonazi Jürgen Rieger hatte wenige Monate zuvor verdeckt über eine englische Strohmannfirma erfolgreich den sogenannten Heisenhof in Drübber bei Dörverden erworben, um es zu einem Schulungszentrum für Neonazis zu machen. Er beabsichtigte im nächsten Schritt, auch die damals in Zwangsversteigerung befindliche Verdener Stadthalle als öffentliches Veranstaltungszentrum für rechtsradikale Aktivitäten zu kaufen.
Verden hielt dagegen. Das damalige Motto „Verden ist bunt“ wurde mit dem Logo der bunten Stadtsilhouette zum Leitsatz des geplanten Aktionstags. Den Nazis keinen Platz einräumen war die Idee und daher wurde groß gedacht: Neben dem Zirkuszelt auf dem Domplatz, drei Bühnen in der Innenstadt, gab es weitere Veranstaltungsorte wie die Verdener Museen, das Rathaus, Kirchen, Geschäfte und diverse weitere.
Eine friedliche Gegendemo mit etwa 750 Teilnehmenden und lauter Musik eröffnete den Aktionstag. Zu Zusammenstößen mit dem Nazi-Aufmarsch kam es nicht.
Die Frauenberatungsstelle warb für ihre Veranstaltung mit dem Slogan „Bei uns ist nur der Kaffee braun“ und flaggte Regenbogenfahnen. Die Konfirmandinnen und Konfirmanden der Andreasgemeinde produzierten Buttons und bei DGB und Verdi gab es Luftballons. Sport- und andere Vereine, Institutionen und Initiativen, Parteien und Presse informierten an Ständen in der Innenstadt. Gleich drei Sambagruppen und etliche andere Musik- und Theateracts sorgten für akustisch und visuelle Festtagsstimmung. Etwa 5000 Menschen besuchten heute vor 20 Jahren den Aktionstag und konnten sich überzeugen, dass bunte Vielfalt so viel schöner ist als braune Engstirnigkeit.
Wenige Monate später gelang es dem dazu eigens gegründeten Trägerverein Verdener Kulturflügel nach einer außergewöhnlichen Spendenaktion unter dem Motto „Rettet die Stadthalle – für ALLE!“ die Immobilie zu erwerben und eine drohende Übernahme durch Neonazis zu verhindern.
Doch die heutige politische Lage, in der eine in Teilen „gesichert rechtsextreme Partei“ mit 152 Abgeordneten im neuen Bundestag sitzen wird, ist schockierend, ernüchternd und für viele auch entmutigend.  
Deswegen ist es uns als Initiative „Kreis Verden ist bunt“ wichtig daran zu erinnern: Die Stadt und der Kreis Verden war, sind und bleibt offen für Vielfalt und klar demokratisch engagiert, das heißt bunt! Über 3000 Menschen demonstrierten am 30.Januar 2024 vor dem Verdener Rathaus gegen die „Remigrations-Pläne“ der AfD. Anlässlich dieser Demonstration bildete sich unsere Initiative „Kreis Verden ist bunt“.
Dem Aufruf zur Bildung einer Menschenkette am Verdener Rathaus, der vor wenigen Wochen stattfand, „sind so viele Bürger*innen gefolgt, dass wir sie gar nicht zählen konnten“ formulierten die „OMAS GEGEN RECHTS“. Natürlich waren auch wir dabei.
Den Aktionstag im Jahr 2005 betrachten wir als ein wichtiges Signal, in dessen Tradition wir uns sehen und an den wir erinnern möchten. Unsere lose Initiative „Kreis Verden ist bunt“ will demokratisch engagierten Menschen unterschiedlicher politischer Prägung ermöglichen, zusammenzukommen und auch künftig im Bedarfsfall Aktionen zu entwickeln. Uns eint unser Widerstand gegen rechtsradikale und rechtspopulistische Tendenzen und jede gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und jegliche Art von Diskriminierung von Menschen auf Grund ihrer gesellschaftlichen Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts, der sexuellen Identität, von Behinderung, ihrer Religion.
Wer dazu kommen möchte, ist herzlich eingeladen. Das nächste Treffen der Initiative ist am 22.Mai 2025 um 17 Uhr im Alten Schulhaus Dauelsen (Schulstraße 10). Ansprechpartner sind Alfons Adam (alfons.adam@t-online.de) und Ulrich Ittermann (0152 5450 4898).


Für „Kreis Verden ist bunt“
Axel Schulte und Dr. Kathrin Packham

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